komm, fiscadero

Ron Winkler

komm, fiscadero

noch einmal sei
mein maritimer Magier, sei Erbeuter mir
von Scheugetier, streif
dir die Kontinente ab, die Fesselflächen, sei noch einmal ganz
der Paradiesverheißer auf dem Meer.
und führ ins Fleuchen,
dem die ersten Fänge wir verdanken, Fabeln
Fantasiegeschöpfe, stimm einmal noch
die alte Arbeit an, hol Streufisch, Wölbungsflosser,
garbenbildende Geschöpfe,
häuf Tiefenflirrer an: alles, was da giert
und schnürt und schert
und sich mit Wasser wehrt. alles, was da schmeckt
und schwänzelt, geistert und flottiert.
geh aufs Blaue, lausch deine Schlaufen
in die See:
schwärmt da nicht Schwanenwährung?
diese Wogefärbung:
ist das der Flaumwert der Gewässer
oder Ausdruck jenes Tiers, das sich zu Schwärmen bauscht?
komm, sei einmal noch der Netzbeherrscher,
der mit der Stille lauscht, verstohlen
scheuchend unter Keschermond und Raubzugsonne.
nimm dir vom Schwimmen, nimm dir das heraus,
schlag uns das Schiff voll mit
jener Kost aus Köstlichkeit,
die uns die Gaumen wohl umgarnend
eine Zeitlang in den Leibern bleibt.
los, stell auf Neptunstufe, steuere vor Zees
oder mäandere hinter Netz, geh Fische schüren,
Proteine aus den Salztautiefen hieven,
einmal noch die Jungfrau Jodbewahrerin erbeuten,
die Labsalgleiterin,ihr großartigen Triefen –
bring mir das Kiemenkind als unserer Teller Zier.
sei Silberschönheitschwenker, Zar der Flitscheschar,
spinn Mandje Mandje Timpe Te viel Fische mir
aus Seegeschlinge, Tang – mir ist nicht bang,
dass du Harpune oder Stoder helle dorthin stößt,
wo die eventuelle Speise schönstens schlingelt,
als Unterwassertagrendite oder Nachtgesang. genieß das
Heimatsalz von mir, sei mein ablandiger Windgeist,
Dschinn mit Störstange und Wurfgarn,
der sich ins Stummmeer mischen kann, die Brachsee,
Flauteflächen, Wirbelstillebreiten, doch frei ist
auch in Sturmesweiten, schick deinen Hafen aus,
bind dir zum Schutz die Insel vor
den Mund, du kannst das Fleuchen nicht per Satz erzeugen,
besonders nicht per Flickennordisch, für den Fang
form dir ein Schifferirdisch und füll Festes
in den Kutter, füll Feste mir in unsere Tulpen ein,
dir sind die Kronhamen, die Königshörn, sei Chaos mir
aus Wellenkamm oder sei der, der auch in Strände warten
oder mit den Wimpern fangen kann.
komm durch Schimmern eine Schuppenheimat bilden.
komm, Fiscadero, kehl mit mir.

Ron Winkler schrieb für BAG NET ein Langgedicht – eine Hommage an den Fischer. Seine traumhaften Wortschöpfungen schaffen ein poetisches Meer, welches uns ans Ufer maritime Fantasiegestalten zuspielt, bis die erfrischende Gischt seiner Lyrik uns selbst als Tummelwesen in die Tiefe zieht, in der wir kehlen.

Ron Winklers Gedichte erschienen in zahlreichen Gedichtbänden und Literaturzeitschriften. Außerdem ist er Herausgeber von Anthologien und als Übersetzer tätig. Er erhielt mehrere Auszeichnungen und Lyrikpreise, u.a. den Leonce-und-Lena-Preis, Mondseer Lyrikpreis, Lyrikpreis München, Basler Lyrikpreis

www.ronwinkler.de

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